Wie Männer und Frauen aneinander vorbeireden

Kategorie Allgemein, für Sie geschrieben

Im Bad, letzte Handgriffe vor dem Aufbruch zu einer Einladung zum 50. Geburtstag eines Freundes. Die Frau fragt ihren Mann: „Nimmst Du mich so mit?“ Der, noch ganz mit dem Zurechtrücken seiner Krawatte beschäftigt, brummelt zurück: „Ja, klar!“ Die Frau enttäuscht: „Du hättest ja auch mal sagen können, dass ich gut aussehe und Du mich so magst!“ Wir kennen alle solche Fragen, die etwas ganz Anderes meinen als man auf den ersten Blick erkennen kann. Wir kennen aber auch harmlose (eigentlich sachliche) Fragen, die vom Empfänger auf die Beziehungsebene geholt werden.

shutterstock_166659965Beispiel: Bei der Geburtstagsfeier trifft man eine alte Freundin. Der Mann fragt: „Geht es Dir gut?“ Die Freundin fragt zurück: “Wieso, sehe ich schlecht aus?“ Sie hätte auch einfach „Ja, prima!“, sagen können, aber sie hat eben mit dem Beziehungsohr zugehört.
Am Buffet später begegnet die Frau dem Gastgeber. Der frotzelt: „Du hast ja ganz schön zugelangt. Wohl heute noch nichts gegessen!“ Die Frau fühlt sich angegriffen und denkt „Bin ich zu dick?“ Sie antwortet nicht, es hat ihr die Sprache verschlagen. Sie ist pikiert.

Der Mann denkt: „Ach Du lieber Gott, die kann ja gar keinen Spaß verstehen.“ Er hat es gar nicht böse gemeint, sondern wollte mit der kleinen Provokation ein Gespräch einleiten. Das ist gründlich misslungen. Sein Kommunikationsstil passt nicht zu seiner Gesprächspartnerin. Man muss schon präzise auf einer Wellenlänge sein, um darüber gemeinsam zu lachen. Und das ist eher selten der Fall.

Auf der Rückfahrt von der Feier erzählt die Frau ihrem Mann: „In der Schillerstraße hat übrigens ein neuer Italiener aufgemacht.“ Er, etwas einsilbig: „Interessant!“ Sie denkt: „Er hätte ja einmal verstehen können, was ich meine! Warum kapiert er nicht, dass ich da mal essen gehen möchte?“ Das ist ein typisches Beispiel dafür, wie Männer und Frauen aneinander vorbeireden. Und der Grund dafür liegt in der grundsätzlich unterschiedlichen Prägung der beiden Geschlechter.

Männer sind eher sach- und aufgabenbezogen. Sie sprechen meistens klar aus, was sie meinen. Ihnen geht es um Informationen und weniger um Gefühle. Tipps für Frauen: Sagen Sie klar, was Sie meinen. Sagen Sie ‚nein‘, wenn Ihnen ein Vorschlag nicht gefällt. Männer bevorzugen Klartext. Reagieren Sie auf Provokationen und Frotzeleien immer sachbezogen und interpretieren Sie keine Beziehungsbotschaften hinein. Formulieren Sie Kritik nach der Methode der Gewaltfreien Kommunikation (GFK). Siehe Artikel ‚Gewaltfrei kommunizieren – wie geht das?‘

Frauen dagegen wünschen sich Harmonie, sie achten auf die Beziehung um Gesprächspartner und bevorzugen indirekte Botschaften. Tipps für Männer: Lernen Sie, genau zuzuhören. Kommunizieren Sie klar, aber nicht autoritär. Entwickeln Sie in Gespür für indirekte Botschaften und hinterfragen Sie diese sofort. (Wie hast Du das gemeint? Verstehe ich das so richtig?) Machen Sie Vorschläge, statt Anweisungen zu geben. Setzen Sie Ironie und Frotzeleien sehr vorsichtig ein. Damit können Sie andere verletzen.

Tipp für beide: Sprechen Sie über Ihre Kommunikation, wenn Sie das Gefühl haben, nicht verstanden zu werden oder nicht zu verstehen. „Was hast Du gemeint?“ Was ist bei Dir angekommen?“, sind zwei wichtige Fragen, wenn man die Tücken der eigenen Kommunikation verstehen und künftig umschiffen möchte.

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