Der Tempel mit den tausend Spiegeln

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Es gibt ein altes indisches Märchen und das geht ungefähr so: In einem fernen Land gab es vor langer, langer Zeit einen Tempel mit tausend Spiegeln. Und eines Tages kam zufällig ein Hund des Weges. Er bemerkte, dass das Tor zum Tempel der tausend Spiegel nicht verschlossen war. Vorsichtig öffnete er das Tor und ging hinein. Mit Spiegeln hatte er keine Erfahrung und mit tausend Spiegeln schon gar nicht. Also glaubte er sich plötzlich von tausend Hunden umgeben. Er bekam einen Schreck, sträubte sein Nackenfell, klemmte den Schwanz zwischen die Beine und begann zu knurren. Im gleichen Moment taten die anderen tausend Hunde das Gleiche. Sie sträubten ihr Nackenfell, klemmten die Schwänze zwischen die Beine und knurrten furchterregend. In seiner Panik fletschte der Hund nun die Zähne, doch statt wegzulaufen fletschen die tausend Hunde ebenfalls die Zähne.

shutterstock_123425002Nun bekam der Hund es mit der Angst zu tun. So etwas hatte er noch nie erlebt und voller Panik lief er, so schnell er konnte, aus dem Tempel hinaus.

Dieses furchtbare Erlebnis hat sich tief in sein Gedächtnis eingegraben. Von nun an hielt er es für erwiesen, dass andere Hunde seine Feinde waren. Die Welt war für ihn ein bedrohlicher Ort geworden. Er ging anderen Hunden aus dem Weg und wurde von ihnen gemieden. So lebte er verbittert bis ans Ende seiner Tage.

Die Zeit verging und wie es der Zufall wollte, kam eines Tages ein anderer Hund des Weges. Er bemerkte ebenfalls, dass das Tor zum Tempel der tausend Spiegel geöffnet war und neugierig wie er war ging er in den Tempel hinein. Auch dieser Hund wusste nicht, was Spiegel sind und was sie bewirken. Also glaubte auch er sich plötzlich von tausend Hunden umgeben. Das fand er schön, und so schaute er die anderen freundlich an, und begann vor Freude mit dem Schwanz zu wedeln. Im selben Augenblick begannen die tausend Hunde ihrerseits mit ihrem Schwanz zu wedeln und der Hund wurde noch fröhlicher. So etwas hatte er noch nie erlebt und voller Freude blieb er noch lange im Tempel und spielte mit seinen tausend neuen Freunden.

Dieses schöne Erlebnis hat sich tief in das Gedächtnis des Hundes eingegraben. Fortan sah er es als erwiesen an, dass ihm alle anderen Hunde freundlich gesinnt waren. Die Welt war für ihn ein freundlicher Ort. Er ging gern auf andere Hunde zu und war bei ihnen beliebt. So lebte er glücklich bis ans Ende seiner Tage.

Welche Fragen könnte man sich nun stellen?

  1. Was glauben Sie: Welcher der beiden Hunde wären Sie eher?
  2. Welcher der beiden Hunde wären Sie lieber?
  3. Bekommt man automatisch ein positives Echo, wenn man freundlich auf andere zugeht?
  4. Erntet man automatisch Ablehnung, wenn man andere unfreundlich oder aggressiv anspricht?
  5. Macht eine positive Einstellung gegenüber anderen glücklich?
  6. Sieht man in den anderen auch immer ein bisschen sich selbst?
  7. Wenn man andere im Prinzip positiv sieht, kann man sich da auch schon mal irren?
  8. Vertrauen Sie anderen zunächst oder sind Sie am Anfang eher misstrauisch?
  9. Wie hängt das mit Ihren persönlichen Erfahrungen zusammen?
  10. In welchem Verhältnis stehen eigentlich die Werte Vertrauen und Kontrolle?
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