Gut in jeder Beziehung: Kommunikationsstile (er)kennen

Gut in jeder Beziehung: Kommunikationsstile (er)kennen

Dass alles, was wir sagen, vier Seiten hat – nämlich Sachaussage, Appell, Beziehungshinweis und Selbstoffenbarung, ist vielen vielleicht bekannt. Und über das Kommunikationsquadrat nach Friedemann Schulz von Thun haben wir schon einmal geschrieben. Hier noch einmal im Schnelldurchgang: Sagt der Mann auf dem Beifahrersitz zu seiner Frau „Die Ampel ist grün“ kann das je nach Stimmung und Tonlage folgendes bedeuten:

  • Sachaussage: Die Ampel ist grün!
  • Appell: Fahr (endlich) los!
  • Beziehungsseite: Du bist keine gute Fahrerin. Ich muss auf Dich aufpassen.
  • Selbstoffenbarung: Ich habe es eilig!

Neben diesem Modell hat Schulz von Thun acht Kommunikationsstile definiert, die sich in vier Paaren jeweils aufeinander beziehen und gegenseitig ergänzen, also quasi komplementär zueinander passen. Es sind folgende Stile:
bedürftig-abhängiger <-> helfender
selbstloser <-> aggressiv-entwertender
sich beweisender <-> bestimmend-kontrollierender
sich distanzierender <-> mitteilungsfreudig-dramatisierender

Normalerweise beherrscht jeder von uns – je nach Situation – mehrere Stile. Mal legt man zum Beispiel im Gespräch ein führendes, beherrschendes Verhalten vor, ein anderes Mal gibt man sich zurückhaltend oder vorsichtig. Man kann jemandem „nach dem Mund reden“ sich also angepasst äußern oder komplett auf „Kontra“ spielen. Wir wechseln unser Verhalten je nach Gesprächssituation bzw. dem Verlauf eines Gesprächs oder passen es unserer jeweiligen Rolle im Gespräch (Chef, Partner, Elternteil usw.) an. Das ist auch o.k. Wenn man stets nur in ein und demselben Stil unterwegs ist, ist das eher kritisch.

Was diese acht Stile ausmacht, könnt Ihr in dieser Tabelle anschauen. Wenn Ihr Euch nun fragt „Ja, woher kommt denn mein Kommunikationsstil?“ so lautet die Antwort ganz eindeutig: aus der Kindheit. Eltern und andere Erwachsene im Umfeld des Kindes, wie zum Beispiel Erzieherinnen im Kindergarten, geben in der Kommunikation immer wieder Rückmeldungen. Daraus entwickelt es dann als heranwachsendes Kind sein Selbstbild. Das Selbstbild eines Menschen ist in der Regel das Ergebnis dieser, über Kommunikation vermittelten, frühkindlicher Prägung.

Überlegt vielleicht mal, welche Kommunikation Euch geprägt hat? Das werdet Ihr beim Durchlesen der Tabelle bestimmt erkennen. Für Euch und Eure Beziehung ist es sehr hilfreich, einmal anzuschauen, welchen Kommunikationsstil Ihr überwiegend pflegt. Ob Ihr Euch zum Beispiel als Paar immer wieder in zwei komplementären Kommunikationsstilen begegnet. Wenn das so ist, passt Eure Kommunikation zusammen wie der Schlüssel ins Schloss. Zum Beispiel könnte einer von Euch hauptsächlich im bedürftig-abhängigen Stil unterwegs sein und der andere im helfenden Stil. Das kann Vor- und Nachteile haben. Einerseits wird Kommunikation und damit eventuell auch Eure Beziehung zum Selbstläufer. Ihr drängt Euch ganz von selbst, durch die Art und Weise Eurer Kommunikation, in ein bestimmtes Rollenverhalten. Das kann die Verständigung in vielen Situationen einfacher machen. Andererseits kann sich das immer gleiche Rollenverhalten auch zu einer einseitigen Persönlichkeit verfestigen und unter Umständen eine persönliche Weiterentwicklung verhindern.

Wenn Euch das Thema interessiert, könnt Ihr hier ausführliche Erläuterungen zu den vier Kommunikationsstil-Paaren finden:
bedürftig-abhängigen <-> helfenden Kommunikationsstil
selbstlosen <-> aggressiv-entwertenden Kommunikationsstil
sich beweisenden <-> bestimmend-kontrollierenden Kommunikationsstil
sich distanzierender <-> mitteilungsfreudig-dramatisierender

Zugrundeliegende Quelle: Miteinander reden, 3 Bde., Bd. 2, Friedemann Schulz von Thun, Rowohlt Verlag

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