Anne Krüger-Degener & Jan Degener

Anne Krüger-Degener & Jan Degener

Seit über 150 Jahren, und inzwischen in der 13. Generation, betreibt die Familie Krüger-Degener den Degenerhof in Melle. www.die-schaeferin.de Heute leben hier Anne Krüger-Degener, Jan Degener und Tochter Carla. Der wichtigste Teil des Betriebes ist die weit über die Grenzen Niedersachsens hinaus bekannte integrierte Hunde- und Pferdeschule. Zudem betreibt die Familie in ihrem ökologisch zertifizierten Grünland und landwirtschaftlichen Ausbildungsbetrieb eine Schäferei mit großer Schafherde und einen Hofladen, in dem selbsterzeugte Produkte angeboten werden. Der wunderschöne Hof ist nicht nur die Heimat der Familie Krüger-Degener, sondern auch das Zuhause von zahlreichen Hunden, Pferden und Schafen und bietet außerdem die idealen Voraussetzungen für eine Tierschule der besonderen Art: Nach der Methode der HarmoniLogie® lernen hier Hundebesitzer und Pferdeliebhaber den problemlosen Umgang mit ihren Tieren. Wie man die Arbeit in Haus und Hof, die Schaf-, Hunde- und Pferdezucht, die Tierschule und zahlreiche Auftritte in Tiershows mit einem glücklichen Familienleben verbinden kann, erzählen die beiden hier.

Wie hat alles angefangen?
Während Jan gebürtig vom Degenerhof stammt, baute sich Anne auf einem in der Nachbarschaft liegenden Betrieb ihre Selbstständigkeit als Tierwirtschaftsmeisterin auf. Obwohl Anne und Jan auf benachbarten Höfen lebten, sind sie sich in der Zeit nicht begegnet. Jan arbeitete nach einer Lehre zum Bankkaufmann in einer Filiale im nächsten Ort, die Anne nie betreten hat. „Wir hätten uns damals sowie nicht näher kennengelernt. Jan hatte immer blank geputzte Schuhe und parkte sein Auto nur in der Garage. Ich war eigentlich immer in Arbeitsklamotten“, erzählt Anne. Ohne Jan‘s Vater Friedrich wäre alles so geblieben. Der hatte Anne eines Tages im Wald bei einem Problem mit dem Pferd geholfen. Im Gegenzug half sie ihm beim Decken eines Daches auf dem Degenerhof. Jan wollte zu dem Zeitpunkt Schauspieler werden und ging nach München. Gleichzeitig wurde Annes Pachtvertrag gekündigt und sie suchte eine neue Existenzgrundlage und Platz für ihre Tiere. Friedrich, der keinen Hofnachfolger hatte, bot ihr an, einen Teil des Degenerhofs zu erwerben und ihre Landwirtschaft dort fortzuführen. So zog sie dann mit 800 Schafen, zehn Hunden und zwei Pferden um und begann den Betrieb umzustrukturieren. Jan seinerseits hatte nach einem Jahr genug von der Schauspielerei und kehrte auf den Hof zurück. Weil er in der Landwirtschaft erst eingearbeitet werden musste, begann er als Praktikant und dann als Auszubildender bei Anne. Dann hat es zwischen den beiden gefunkt. Es war eine glückliche Zeit. Jan und Anne als Paar waren es, Vater Friedrich war es, weil sein Sohn zurück auf dem Hof war. Anne: „Paradiesisch, wie ich hier aufgenommen wurde.“ 2003 wurde geheiratet, Tochter Carla kam zur Welt und sie lebten mit drei Generationen auf dem Hof.

Was waren oder sind Eure größten Herausforderungen?
Die größte Herausforderung war der frühe Tod von Friedrich, der 2008 im Alter von 65 Jahren plötzlich verstarb. Das war für Anne und Jan ein Ereignis jenseits aller Vorstellungskraft. Die Zeit der drei Generationen war schlagartig vorbei. Jetzt waren dort zwei Häuser, viel mehr Platz und viel mehr Arbeit und notwendige Sanierungen, die finanziert werden wollten.

Als zweites nennt Anne das, was sie als „Bestandsprobe“ bezeichnet. Konnten sie mit ihrem Angebot am Markt bestehen, würde das wirtschaftlich gehen und könnten sie das als Paar und Familie durchstehen?

Jan verweist auf eine dritte Herausforderung, die nach wie vor besteht. Die Tierschule hat extrem lange Vorlaufzeiten, Anne ist eigentlich komplett verplant. Doch die Landwirtschaft funkt immer wieder ungeplant dazwischen, sei es wetterbedingt oder durch Ereignisse wie Tiergeburten.

Wie habt Ihr diese Herausforderungen bewältigt?
Einfach immer weitergemacht hätten sie, meint Jan, immer das gemacht, was nötig war. Anne zitiert ihre Mutter: „Nicht eher hüpfen bis die Pfütze da ist!“ Sie haben die Dinge nach und nach angepackt und unterdessen zu einer klaren Arbeitsteilung gefunden. Die Tiere versorgen sie gemeinsam, die ganze Organisation macht Jan und Anne kümmert sich um die Tierschule und die Tier-Shows. Anne zu Jan: „Am Anfang war ich ein bisschen Dein Chef, heute sind wir komplett gleichberechtigt.“ Jan über Anne: „Die Arbeit mit den Tieren ist bei mir Handwerk, bei Anne ist es Kunst.“ Die Bereitschaft, immer wieder über alles nachzudenken und ständig im Gespräch zu sein, hat beiden geholfen die Herausforderungen zu bewältigen. Und eine gute Streitkultur. „Wir kriegen einen Streit immer gut zu Ende“, sind sie sich einig und freuen sich, dass Tochter Carla auch im positiven Sinne konfliktfähig ist.

Was waren Eure größten Erfolge?
Da muss man kurz auf die spektakulären Tier-Shows eingehen, in denen Anne zeigt, wie gutes Teamwork zwischen Mensch und Tier auf Grund feiner Kommunikation funktioniert. Die Darbietungen mit Pferden, Hunden und Enten oder Ziegen begeistern europaweit das Publikum. Unter anderem war sie Ende 2000 mit ihrer Show am dänischen Königshof gewesen und dorthin begleiteten sie die Macher der TV-Show „Geld oder Liebe“. Sie wurde 2001 dorthin eingeladen, ging hin, wurde als „Tierflüsterin“ vorgestellt, gewann die Endausscheidung und war plötzlich bekannt wie der berühmte bunte Hund. Viele Sender klopften nun an, es gab Fernsehreportagen und Berichte, die Buchungen in der Tierschule stiegen spürbar an und ebenso die Engagements mit der Tiershow. So waren sie immer wieder im Rahmenprogramm von Großveranstaltungen und Messen wie zum Beispiel bei der Equitana in Essen oder dem Pferde- & Kamelfestival im Oman, aber auch in Tallin, Oslo, Stockholm und anderen Städten. Jan: „Manchmal sind es 8.000 Zuschauer, manchmal nur 500. Und wir freuen uns, dass unsere Darbietungen so viele Menschen berührt. Wenn wir auf Tour sind, dann ist das ist wie eine kleine Arche Noah: zwei Pferde, zehn Hunde und 20 Enten.“ Was sind nun die größten Erfolge? Dass alles so ist wie es ist, meint Anne, dieses Lebensgefühl, dass man etwas zusammen erreicht hat, dass der Betrieb läuft, dass man eine gewisse Popularität erreicht hat. Dass man immer im Moment, im Hier-und-jetzt ist, meint Jan, egal ob bei einer schwierigen Tiergeburt nachts um drei oder vor 8.000 Zuschauern in Stockholm.

Was ist aus Eurer Sicht ausschlaggebend für ein glückliches & erfolgreiches Leben als Unternehmer-Paar?
Gegenseitige Wertschätzung nennen die beiden sofort, gut auf einander zu achten, finden sie wichtig und den Mut zu haben, sich auch schon mal die Meinung zu sagen. Meinungsverschiedenheiten nicht aus dem Privatleben mit ins Geschäft nehmen und umgekehrt, ist eine ihrer Regeln und sich gegenseitig zu befähigen, um persönliche Entwicklung möglich zu machen. Anne: „Hier macht jeder alles im Betrieb und im Haus. Da ist nicht einer der Star und der andere der Zuarbeiter.“ Echtes Teamwork eben. Und das bedeutet, dass man die Schwächen des anderen ausgleicht und die Stärken nutzt. Unterm Strich ist die Firma ok, die Paarbeziehung auch. Für Anne bedeutet die Arbeit auch persönliche Erfüllung, wenn sie mit den Hunden arbeitet, wenn sie reitet oder unterrichtet. Jan hofft, dass es später mehr zeitlichen Spielraum für die Familie und auch für ihn geben wird.

Wie geht es Euch gerade jetzt?
Es geht ihnen gut, sie sind zufrieden. Es ist ein fest zusammengewachsenes Team. So wie es jetzt läuft, sind sie froh. Was die Zukunft bringt, weiß man nicht. Jan denkt bei den Zukunftsprognosen stets positiv. An die nächsten „Bestandsproben“, an die Herausforderungen, die noch kommen könnten denkt Anne schon mal und wünscht sich einen Katastrophenvermeidungsplan, den es natürlich nicht geben kann. Im Moment freut sie sich aber erst einmal auf das Erscheinen ihres neuen Buches. „Wenn Hunde lachen“, heißt es, und bald soll eins über Pferde folgen „Wenn Pferde Komplimente machen“.

Degenerhof Tierschule und Schäferei Anne Krüger-Degener
Buersche Straße 132
49324 Melle
Telefon: +49 54 22 451 41
Telefax: +49 54 22 92 94 41
E-Mail: info@die-schaeferin.de
www.die-schaeferin.de
www.tierschule-anne-krueger.com

Gespräch geführt im Februar 2018

 

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