Geheimnis Nr. 3: Wendet Euch einander zu!

Geheimnis Nr. 3: Wendet Euch einander zu!

Wir haben versprochen, Euch John Gottman‘s „7 Geheimnisse der glücklichen Ehe“ in lockerer Reihenfolge vorzustellen. Heute ist das dritte Geheimnis dran: „Wendet Euch einander zu!“

In seinem Ehelabor in Seattle beobachtete Gottman Paare über ein ganzes Wochenende. Sein drittes Geheimnis beruht auf dieser Entdeckung: „Hey, sieh‘ Dir das Schiff an!“, sagt die Frau und der Mann antwortet: „Ja, es sieht aus wie dieser große Schoner, den wir schon letztes Jahr gesehen haben.“ Völlig banal, könnte man sagen, aber John Gottman weiß, dass Paare, die viele solcher kleinen Gespräche pflegen, ziemlich sicher noch lange glücklich miteinander sein werden. Wie hängt das zusammen?

Die wahre Romantik

Solche kleinen Dialoge sind die wahre Romantik, jenseits von den großen Leinwanddramen im Kino spielt sie sich täglich in unserem Alltag ab. Es sind diese kleinen Kontaktangebote wie: „Schau‘ mal wie schön unser Apfelbaum blüht!“, und die Reaktion darauf. Das Angebot wird angenommen, wenn der andere zum Beispiel sagt: „Ja, fantastisch, ich habe ihn eben schon fotografiert.“ In solchen kurzen Sequenzen tritt ein Paar in Verbindung, beide wenden sich kurz einander zu. Das sorgt für gute Stimmung und zahlt auf das gemeinsame Gefühlskonto ein.

Gottman nennt das eine „emotionale Spareinlage“, die als Rücklage dient für schwierige Momente wie zum Beispiel Meinungsverschiedenheiten oder Konflikte. Nach einem solchen Kontaktangebot können sich die Partner einander zuwenden oder von einander abwenden. Zum Beispiel wenn auf den Satz: „Schau‘ mal wie schön unser Apfelbaum blüht!“, keine Antwort kommt, sondern der Partner weiter auf sein Handy starrt oder nicht einmal von der Zeitung aufblickt. Dieses Verhalten sagt ohne Worte: „Du weißt gar nicht wie egal mir das ist, was Du da erzählst.“ Der andere fühlt sich missachtet, die Stimmung kühlt ab.

Passiert das öfter, stellt sich eine Atmosphäre von Lieblosigkeit ein. Wer ein solches Kontaktangebot macht, denkt sich etwas bei seinen Worten, vielleicht sind sie mit Gefühlen verbunden, zum Beispiel mit dem Glücksfühl, dass der Frühling nun da ist. Wird darauf nicht reagiert, empfindet man das als Gleichgültigkeit. Noch schlimmer ist eine offen negative Reaktion wie: „Ach Du immer mit Deinen blöden Pflanzen und Blumen!“ Das ist dann schon keine Gleichgültigkeit mehr, das ist offene Verachtung. Beides ist Gift für die Beziehung. Gottman spricht von „High Risk Couple“, also von hoch gefährdeten Beziehungen.

Grafische Darstellung der Gesprächsangebote und Reaktionen in einer Paarbeziehung (© Gottman Institut)

GPaare, die sich jeden Tag in kleinen Dingen immer wieder einander zuwenden, sind dagegen auf der sicheren Seite. Für sie lohnt sich auch ein Kurzurlaub an der See oder ein romantisches Abendessen bei Kerzenschein, das viele zu Unrecht für ein Allheilmittel in Beziehungskrisen halten. Das wird nur ein unvergesslich schönes Erlebnis, wenn vorher die positive emotionale Basis gelegt worden ist. Sonst kann der Abend in einem wunderbaren Restaurant auch ein Fiasko werden, voller Anschuldigungen, Widerworten und peinlicher Stille.

Was könnte Ihr tun?

Zunächst Euch bewusst machen, wie wichtig diese normalen Alltagssituationen sind. Nehmt Euer tägliches Miteinander nicht als selbstverständlich hin, sondern macht Euch klar, dass solche Kleinigkeiten einen positiveren Effekt für Eure Beziehung haben als zwei Wochen Mallorca.

Wer wissen möchte, wie es mit der Romantik in seiner Beziehung aussieht, kann hier John Gottman’s Test herunterladen, der zeigt, ob ein Paar sich im Alltag einander zuwendet oder von einander abwendet.

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