Überwindet Pattsituationen – Geheimnis Nr. 6

Überwindet Pattsituationen – Geheimnis Nr. 6

Das ist nun das vorletzte der sieben Geheimnisse einer glücklichen Ehe, die John Gottman beschreibt. Ihr erinnert Euch an den letzten Artikel, in dem es um die lösbaren und ewigen Probleme in der Partnerschaft ging. Das Rezept für die ewigen, also nicht abschließend lösbaren Probleme lautet, ihnen einen Platz im Leben zuzuweisen. Man weiß, dass es dieses Problem gibt, dass es bleiben wird, aber man gesteht ihm nicht zu, das Leben in der Partnerschaft zu vermiesen. Und man zeigt Kompromissbereitschaft.

Das funktioniert aber trotzdem nicht immer. Dann verbeißen sich Paare in das Problem, führen immer wieder die gleichen Auseinandersetzungen, ohne dass sich einer von beiden bewegt Solche Paare befinden sich in einer Pattsituation. Wie Ihr feststellen könnt, ob Ihr bei bestimmten Konfliktthemen in einer Pattsituation seid, zeigt diese Checkliste.

Welcher Weg führt nun aus der Pattsituation heraus?

Pattsituationen können lähmend wirken.

Zunächst sollte man akzeptieren, dass es nicht darum geht, das zugrunde liegende Problem final zu lösen. Ziel ist es, aus der Zwickmühle heraus wieder ins Gespräch zu kommen, also über das Thema sprechen zu können, ohne einander zu verletzen. Um das nötige Verständnis für den Partner oder die Partnerin aufzubringen, braucht es Verständnis und Empathie, gepaart mit echtem Interesse an der Frage, was den Partner wirklich antreibt.

Wer wieder im Gespräch ist, fühlt sich besser!

Also: Was steckt hinter dem vordergründigen Thema des Konfliktes? Gottman hat immer wieder festgestellt, dass es meistens um unterschiedliche Grundmotivationen, Sehnsüchte und Träume geht, die oft im Verborgenen bleiben. So kann zum Beispiel hinter dem Wunsch, erst einmal eine bestimmte Summe Geld zu sparen, statt alles auszugeben, ein tiefes Bedürfnis nach Sicherheit versteckt sein. Solange das nicht erkannt ist, wird man dieses Verhalten vielleicht als puren Geiz empfinden. Träume gibt es viele und jede Grundmotivation ist legitim: Freiheit, Ruhe und Frieden, Gerechtigkeit schaffen, Leben mit der Natur, Abenteuer erleben oder ein bleibendes großes Werk erschaffen, um nur einige zu nennen. Wer seinen Traum in der Partnerschaft um des lieben Friedens Willen begräbt, wird erleben, dass er in anderer Verkleidung wieder auftaucht, nämlich als Paarkonflikt.

Freundschaft, Verständnis und Empathie helfen aus der Pattsituation

Der Traum vom eigenen Pferd ist ein Beispiel, das Gottman nennt. Die Partnerin hatte sich diesen Traum schon vor der Ehe erfüllt. Dann gab es jedoch immer wieder Diskussionen um die Kosten und um die Zeit, die sie täglich mit dem Pferd verbrachte. Ihr Mann vermisste sie nachmittags im Betrieb und die Rechnungen vom Reitstall regten ihn zunehmend auf. So oft sie auch über das Thema sprachen, es war keine Einigung in Sicht, im Gegenteil: Sie wurde immer einsilbiger und er wurde zynisch. Klassische Pattsituation. Was hat den beiden zum Schluss doch noch geholfen? Die Fünf-Schritte-Methode:

  1. Träume aufdecken
    Persönliche Träume bleiben in der Partnerschaft oft unausgesprochen, weil beide Partner ihre eigenen Bedürfnisse oft als unerfüllbar oder gar als kindisch empfinden. Versuche herauszufinden, was in dem fraglichen Konflikt Deine verborgenen Träume sein könnten und welche es bei Deinem Partner sind.
  2. Träume/ Grundmotivation aufschreiben
    Schreibe auf, welcher Traum, welche Sehnsucht, welcher empfundener Mangel bei Dir und bei Deinem Partner hinter dem Konfliktthema verborgen ist. Das können Dinge sein, auf die man leicht kommt, es kann sich aber auch um Themen handeln, die uns seit der Kindheit still begleiten. Sind die gegenseitigen Träume aufgeschrieben, ist es Zeit darüber zu sprechen.
  3. Gespräch führen – mit klaren Regeln
    Dazu bekommt jeder von Euch 15 Minuten Zeit, um zu schildern, welche tiefere Ursache der Konflikt aus seiner Sicht hat. Es ist völlig normal, dass die Träume oder Sehnsüchte, die hier eine Rolle spielen, bei Euch beiden gegensätzlicher Natur sind, sonst hättet Ihr keinen Konflikt und erst recht keine Pattsituation.
  4. Stress abbauen – Verständnis aufbauen
    Ein solches Gespräch bedeutet Stress. Also ist der nächste Schritt, sich selbst und einander gegenseitig zu beruhigen, um so eine gute Grundlage für die Auflösung der Pattsituation zu schaffen.
  5. Befristeten Kompromiss schließen
    Jetzt geht es darum, einen befristeten Kompromiss zu finden, der Frieden schafft und es ermöglicht, dass Ihr das Thema freundschaftlich diskutieren könnt. Und das geht so: Jeder von Euch formuliert auf der Basis seines Traumes (seiner Grundmotivation) die Mindestanforderungen, die für ihn nicht verhandelbar sind. In unserem Beispiel vielleicht: „Ein Pferd haben und regelmäßig reiten“. Versucht dieses Paket möglichst klein zu halten! Und dann definiert jeder von Euch die Dinge, bei denen er oder sie flexibel sein könnte. In unserem Pferdebeispiel könnte das sein: „Ich muss nicht jeden Tag zum Reitstall fahren“. Wenn Ihr selbst einen Kompromiss aushandeln wollt, findet Ihr hier den entsprechenden Arbeitsbogen zum Download.

In unserem Beispiel könnte das folgendermaßen aussehen:

Ihr Arbeitsbogen:

Sein Arbeitsbogen:

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