Corona: Wie sehen die Hygienekonzepte der Betriebe aus?

Corona: Wie sehen die Hygienekonzepte der Betriebe aus?

Hier lest Ihr, wie versprochen, die Ergebnisse unserer Umfrage zu den Hygienekonzepten in den Betrieben.

Selbstverständlich kennt jeder die AHA-Formel: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen. Umgesetzt werden die Regeln aber durchaus unterschiedlich, wie man unter sehen kann. Dabei gewinnt die Frage, wie wir uns angesichts der Pandemie verhalten, in der kalten Jahreszeit an Bedeutung. Seit neuestem spricht man schon von der AHA+L+C Regel, dabei steht das ‚L‘ für lüften und das ‚C‘ für die Corona-App auf dem Handy.

1. Abstand halten
Bei diesem Thema gibt es kaum Differenzen. Überall wird Abstand gehalten, Umarmungen werden genauso vermieden wie Händeschütteln. In manchen Betrieben wird die Pause nicht mehr gemeinsam, sondern in mehreren Schichten angetreten.

Bodenaufkleber bei der Firma Unland

Wenn es nicht möglich ist, Abstand zu halten, wird in den meisten Betrieben zur Maske gegriffen. Das ist aber nicht überall so, näheres im Kapitel Maske. Ausnahmen sind kleine Familienbetriebe, deren Belegschaft sowieso in einem Haushalt lebt. Da gibt es im Prinzip keinerlei Regeln, außer für Kundenbesuche. Vereinzelt kommt es vor, dass in Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten, auf Regeln innerhalb der Firma verzichtet wird. Vermutlich baut man da auf die Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen.

2. Hygiene beachten
Da gibt es große Unterschiede. Einige Betriebe haben den Plexiglas-Spuckschutz an der Theke montiert, andere desinfizieren regelmäßig Oberflächen und Maschinen, aber nicht alle. Durchgängig wird Händewaschen und Handdesinfektion ermöglicht und gefordert, oft stellt man aber lediglich Desinfektionsmittel bereit und jeder entscheidet selbst, ob und wie häufig er davon Gebrauch macht. Andere Firmen schreiben das genauer vor, wie zum Beispiel: Handdesinfektion bei Dienstbeginn, nach Pausen, vor und nach dem Kundenbesuch oder nach dem Toilettengang.

Hygieneregeln bei der Firma Rabe: Händeschütteln unerwünscht!

Es gibt aber, gerade in Gastronomiebetrieben, auch sehr detaillierte Anweisungen, zum Beispiel alle 60 Minuten die Hände zu waschen und zu desinfizieren, je nach Arbeitsbereich sogar alle 30 Minuten. Selbstverständlich herrschen im Lebensmittelhandwerk besonders strenge Regeln, zum Beispiel bei Bäckereien und Metzgereien die Anweisung, Lebensmittel nur mit Papier, Schutzhandschuhen oder Zangen anzufassen. In einigen Betrieben existieren schriftliche Anweisungen zur Durchführung von Reinigungsarbeiten, zum Beispiel mit dem besonderen Hinweis, an Türgriffe zu denken. Relativ selten stand in den Fragebögen etwas zum Thema Lüften. Entweder halten das alle für selbstverständlich oder die Gefahr, sich mit Aerolsolen anzustecken, wird unterschiedlich beurteilt. Das Fiebermessen als Vorsichtsmaßnahme bei jedem Dienstbeginn praktiziert nur einer der befragten Betriebe.

3. Alltagsmaske tragen
An der Maske scheiden sich die Geister. Einige Betriebe verzichten auf die Maskenpflicht innerhalb des Unternehmens und setzen bei der Arbeit und im Pausenraum auf Abstand. Ein Betrieb hat die Regel: „Wer läuft, trägt Maske. Wer sitzt, kann selbst entscheiden.“ Andere handhaben das etwas strenger, in dem verlangt wird, dass außerhalb des eigenen Büros oder Arbeitsplatzes, also auf den Gängen oder im Besprechungsraum generell Maske getragen wird.

Manche Betriebe, die auf die Maske im Unternehmen verzichten, haben aber die Regel, dass die Mitarbeiter bei den geringsten Symptomen zu Hause bleiben sollen. Kleinbetriebe, unter zehn Mitarbeitern, verhalten sich häufig so, als ob sie zu einem Haushalt gehören würden und geben sich keine klaren Regeln. Dabei blenden Sie das Risiko aus, dass sich auch in einem kleinen Team jemand außerhalb der Firma infizieren kann.

4. Verhalten bei gemeinsamen Autofahrten
Wer kann, vermeidet gemeinsame Autofahrten. In vielen Unternehmen wird die Personenzahl pro Fahrzeug auf zwei oder auf drei begrenzt. Oft handelt es sich um feste Kolonnen, die sowieso immer zusammen arbeiten. Dann wird nur auf Abstand und Hygiene geachtet, aber auf Maskenpflicht im Auto verzichtet. Das handhaben die Betriebe aber unterschiedlich. Einige Unternehmen schreiben bei gemeinsamen Fahrten generell die Alltagsmaske im Auto vor, andere lassen die Mitarbeiter selbst entscheiden. Bei manchen Firmen ist ein Desinfektions-Set im Auto vorhanden, bei den meisten eher nicht.

5. Umgang mit Kunden und Gästen
Wer wie im Gartenbau oder in vielen landwirtschaftlichen Betrieben an der frischen Luft arbeitet, verzichtet mit gutem Gewissen auf die Maske. Aber generell wird von Kunden und Mitarbeitern bei Kontakt erwartet, dass Abstand gehalten und Masken getragen werden. Das ist für Monteure, die im Haus des Kunden arbeiten, nicht immer angenehm. Bei einigen Betrieben lautet die Regel deswegen auch, dass bei ausreichender Lüftung und insbesondere, wenn man allein im Raum arbeitet, auf die Maske verzichtet werden kann. Generell sind Mitarbeiter, die körperlich arbeiten müssen, von einer Maskenpflicht nicht begeistert, sehen aber meist die Notwendigkeit ein.

In der Gastronomie ist es vorgeschrieben, dass Gäste sich in eine Liste eintragen müssen, um eine Rückverfolgung des Infektionsgeschehens zu ermöglichen. Solche Listen gibt es vereinzelt auch in anderen Branchen. Gäste im Restaurant sind es gewöhnt, auf dem Weg zu ihrem Tisch eine Maske zu tragen, für die Servicekräfte ist das sowieso selbstverständlich.

In Hotels wird von den Gästen erwartet, dass sie auf dem Weg zum Zimmer ebenfalls die Alltagsmaske anlegen.

Kommen Kunden in die Firma, ins Büro oder ins Ladengeschäft, wird in den meisten Firmen erwartet, dass die AHA-Regeln eingehalten werden. Dafür kommen diverse Kommunikationsmittel wie Plakate, Hinweisschilder oder Bodenaufkleber zum Einsatz. Die Kunden nehmen die Corona-Regeln problemlos an, bis auf wenige Ausnahmen. Ein Gastronomiebetrieb beklagte sich zum Beispiel über Esoteriker, die sowohl die Maske als auch die Registrierung verweigerten, und deswegen aus dem Restaurant gewiesen werden mussten. Das hat zu einem Shitstorm auf Bewertungswebseiten geführt, aber damit muss man dann leben.

6. Akzeptanz bei den Mitarbeitern
Die Mitarbeiter nehmen die Corona-Regeln zu 99 % gerne an, sie fühlen sich selbst so sicherer. In den meisten Betrieben sind die Regeln schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden, die gar nicht mehr thematisiert wird. Abstand halten und Hygiene beachten macht keine Probleme. Ein Betrieb, der intern keine Maskenpflicht verordnet hat, schreibt: „Alle halten sich dran, es hat sich ja wenig geändert außer Händewaschen.“ Besteht Maskenpflicht im Unternehmen, kommt das nicht bei allen Mitarbeitern gut an. In der Praxis haben sie sich aber daran gewöhnt und sehen den Sinn der Maßnahme ein.

Bei den befragten Unternehmen ist die Gefahr, sich auf dem Weg zur Arbeit zu infizieren, eher gering einzuschätzen, weil die Masse der Mitarbeiter mit dem eigenen Pkw oder mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt. Öffentliche Verkehrsmittel werden nur sehr selten gewählt.

7. Lage der Betriebe
Die gute Nachricht zum Schluss: Mehr als 70 % der befragten Betriebe gibt an, dass sich die Lage nach dem Lockdown wieder normalisiert hat. Circa 15 % sagen, dass der Betrieb noch nicht wieder so läuft wie vor der Corona-Krise, dass sich die Lage aber bessert. Gastronomiebetriebe fürchten, dass es in der kalten Jahreszeit ohne Außenbewirtung wieder schlechter laufen wird. Einige Betriebe, knapp 15% der Befragten, haben noch mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Sie greifen nach wie vor auf Kurzarbeit zurück und sehen bisher keine Wende zum Positiven. Das ist branchenabhängig, beispielsweise sind Betriebe aus der Eventbranche oder im Messegeschäft noch ganz stark betroffen, aber auch Werbeagenturen, Druckereien und Betriebe der Druckvorstufe, weil an Marketing und Kommunikation in diesen Zeiten häufig gespart wird.

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