Susanne und Hans-Jörg Stöcker

Kategorie Powerpaare

Susanne und Hans-Jörg leiten in Nürnberg eine traditionsreiche, innovative Unternehmensgruppe aus dem Bereich Bau (einen Verbund aus vier Firmen der Baubranche). Die Wittmann Bau GmbH (https://wittmann-bau.de) befasst sich seit 1927 mit klassischen Hochbauprojekten, mit Bauunterhalt und Altbausanierung sowie mit der Kanalsanierung. Die Firma Stuck Stöcker GmbH (https://www.stuck-stoecker.de) ist seit über 100 Jahren mit den Tätigkeitsschwerpunkten Altbausanierung, Innen- und Außenputz sowie Wärmedämmverbundsystemen am Markt. Die neue Tochter AlgenHans GmbH (https://www.algenhans.de) beschäftigt sich mit Fassadenreinigung und eine weitere Tochter, die Stuck Stöcker Trockenbau GmbH (https://stoecker-trockenbau.de), ausschließlich mit Trockenbauprojekten.

Wie hat alles angefangen?
Susanne und Hans-Jörg waren 24 Jahre alt und noch Studenten als sie sich 1991 bei einem Innungs-Skifahren in Serfaus zum ersten Mal begegnet sind. Beide Elternpaare hatten ihre Kinder eingeladen und beim Abendessen im Hotel saßen dann alle zusammen. Ob die Eltern das Treffen in der Hoffnung arrangiert hatten, dass die Kinder zusammenkommen würden und damit auch die beiden Firmen, wird schon mal gemutmaßt, aber das hat die beiden weder beeindruckt noch gestört. „Wir waren uns ja nicht unsympathisch“, sagt Hans-Jörg in seiner unverwechselbar trockenen Art. Beide entdeckten gleich gemeinsame Interessen, sie fuhren sehr gut Ski, liebten die Berge, die Seen und das Segeln. Zum Abschluss des Ski-Urlaubs hat Hans-Jörg Susanne dann überzeugt, dass sie ihre Skier nicht auf dem Autodach transportieren sollte, und lud die Bretter schließlich in seinen Kombi. „Da hatte ich gleich einen Grund, wieder Kontakt aufzunehmen“, meint Hans-Jörg. „Er hat halt gern die Fäden in der Hand“, sagt Susanne. Dass die beiden mal in die elterlichen Firmen eintreten würden, war damals noch nicht klar. Susanne hatte mit Bedacht das Jurastudium gewählt, um fachlich eine Distanz zum technischen Baugeschäft herzustellen. Sie war zwar die Erstgeborene, aber ein Mädchen. „Als Kind habe ich gedacht, gottseidank bin ich ein Mädchen, sonst wäre gleich klar gewesen, dass ich in die Firma eintrete. „Durch die Gespräche zu Hause und Ferienjobs in der elterlichen Firma war ich immer nah dran am Unternehmen“, sagen sie heute. Hans-Jörg fügt hinzu: „Wir wohnten ja auf dem Bauhof und als Kind war das für mich ein Abenteuerspielplatz, später kamen dann auch Ferienjobs und Praktika dazu.“ Einen Druck, in die Firma einzutreten hat Hans-Jörg nicht verspürt. Er absolvierte ein BWL-Studium, befasste sich in seiner Diplomarbeit mit dem Management von Autohäusern und hätte auch in die Autoindustrie gehen können. Er entschied sich aber zum Schluss für die elterliche Firma und machte zur Vorbereitung noch eine Maurerlehre und seinen Meister. „Das Unternehmergen saugt man in einem mittelständischen Familienbetrieb halt doch mit der Muttermilch auf“, sind sich beide einig. Irgendwie ist das „Berufung“. Die beiden hatten sich unterdessen definitiv füreinander entschieden, 1994 wurde geheiratet, 1996 kam der Sohn Hans-Peter zur Welt, 2001 die Tochter Sophia. Susanne entschied sich zum Schluss ebenfalls für die Firma und hängte nach dem 1. Juristischen Examen eine Ausbildung zur Buchhalterin dran, bevor sie 2006 die Ressorts Finanzen, Personal und Marketing übernahm.

Die erste Herausforderung waren die unterschiedlichen Unternehmenskulturen von Wittmann Bau und Stuck Stöcker. Wie man das von Fusionen und Übernahmen kennt, war die enge Kooperation auch hier kein Selbstläufer. „Da gab es verschiedene Schwingungen, die wir gleich wahrgenommen hatten“, erzählt Susanne, „Führungsstile und Arbeitsweisen unterschieden sich stark und gerade die leitenden Mitarbeiter taten sich schwer, die Eigenarten der jeweils anderen Firma zu akzeptieren.“ Während die gewerblichen Mitarbeiter wenig Probleme hatten, entwickelte sich unter den Bauleitern und Technikern eine interne Konkurrenz.

Die zweite Herausforderung bestand in der künftigen strategischen Ausrichtung des Unternehmensverbunds. „Wir waren uns da eigentlich immer einig, weil wir strategisch denken und gemeinsame Ziele und Werte verfolgen. Theoretisch war das bei den Eltern auch der Fall, aber wenn es dann an konkrete Veränderungen ging, wurde doch ab und an gebremst“, berichtet Hans-Jörg.

Die dritte Herausforderung betrifft die beiden persönlich, privat als Paar und geschäftlich als Unternehmerpaar. Wie kann man beruflich viel bewegen und sich stark engagieren, ohne sich als Paar aus den Augen zu verlieren?

Wie habt Ihr diese Herausforderungen bewältigt?

Die unterschiedlichen Unternehmenskulturen zusammenzuführen hat seine Zeit gebraucht. „Wir haben viel Teambuilding gemacht und unzählige Gespräche geführt, um Verständnis für die jeweils andere Firma zu wecken. Das hat auch gefruchtet.“, berichtet Susanne, „Aber definitiv gelöst hat sich die Problematik eigentlich erst mit der Zeit. Mit dem Wachstum kamen auch neue, jüngere Mitarbeiter, welche mit uns den Focus auf die Zukunft gerichtet haben. Insgesamt ist so eine sehr gutes Unternehmensklima entstanden.“

Was die zweite Herausforderung anbelangt, haben sich Susanne und Hans-Jörg immer Zeit genommen, um die Ausrichtung der Firma zu besprechen, die Strategie zu prüfen und Ziele festzulegen. Sehr gründlich und mit Unterstützung von Beratern passierte das 2019. Hans-Jörg: „Wir haben uns ein Jahr Zeit genommen, um Kundenbedürfnisse zu erforschen und die Firmen mit ihren Stärken und Schwächen zu analysieren.“ Das Ergebnis war eine stärkere Ausrichtung an Umweltschutz und Nachhaltigkeit, zum Beispiel das Abwasserrecycling in der Gebäudesanierung, aber auch eine klarere Organisation. „Schon 2015 haben wir eine Art Organigramm erarbeitet, das wurde im Laufe der Zeit immer wieder verfeinert. Auch die Arbeitsteilung zwischen uns beiden haben wir auf den Prüfstand gestellt“, berichtet Susanne. Das Ergebnis schlug sich in Stellenbeschreibungen nieder und in genauen Vertretungsregelungen über die Firmengrenzen hinweg. In einem 2-tägigen Workshop haben die beiden dann der gesamten Firma das Ergebnis präsentiert. Das Leistungsangebot der vier Firmen, die Rolle der Führungskräfte und die Aufgaben der Mitarbeiter waren damit verbindlich definiert. Heute ist die Unternehmensgruppe nach der Norm „Bauen mit IQ“ zertifiziert und absolviert jährliche Re-Audits.

Und wie haben Susanne und Hans-Jörg die dritte Herausforderung bewältigt? „Die Grundlage und der Startpunkt war der Workshop ‚Ich & Du und die Firma‘. Wir sind an dem Thema drangeblieben und nehmen uns heute mehr Zeit füreinander“, meint Susanne. Einmal im Monat fahren die Zwei an den Chiemsee. Dort schippern sie mit dem Segelboot über den See, genießen die Natur und treffen Freunde im Segelclub. „Das wird langsam rund, das mussten wir aber erst lernen“, sagt Hans-Jörg, „vor allem auch, dass man es nicht allen recht machen kann, das gilt auch für das Verhältnis zu den Eltern, vor allem aber für das Hamsterrad Firma, dem wir entkommen wollten.“

Was waren Eure größten Erfolge?
Ein glückliches Familienleben nennen die beiden als erstes, die Kinder, die gemeinsamen Interessen und die persönliche Weiterentwicklung, die sie sich gegenseitig ermöglichen. Ein weiterer Erfolg ist, dass die Firma auch mal zwei Wochen ohne sie läuft und sie in der Zeit auch keine E-Mails checken müssen und dass sie sich schon mal aus dem Tagesgeschäft rausnehmen können, um an der Firma zu arbeiten. Dass sie die Firmengruppe zu einer regionalen Wirtschaftsmacht auf den Feldern Umbau und Sanierung ausgebaut haben, rechnen sie sich als weiteren Erfolg an. Den Fachkräftemangel spüren sie nicht, der gute Ruf bringt ihnen laufend Bewerbungen ein und vorhandene Mitarbeiter vermitteln ihnen neue. Familientradition über viele Generationen mit Modernisierung und Digitalisierung unter einen Hut zu bringen, soll der nächste Erfolg werden. Da sind sie auf dem Weg und dem Ziel schon ganz nah!

Was ist aus Eurer Sicht ausschlaggebend für ein glückliches & erfolgreiches Leben als Unternehmerpaar?
Ein respektvoller und wertschätzender Umgang, privat und geschäftlich, ist beiden wichtig. Sich gegenseitigen Wachstum zu ermöglichen, halten sie für unabdingbar. Außerdem eine klare Definition von Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten. Offenheit und Vertrauen nennen sie, und einen gleichberechtigten Umgang auf Augenhöhe. Und die Notwendigkeit, immer wieder für das Gleichgewicht im Dreieck ‚Ich-Paar-Firma‘ sorgen.

Wie geht es Euch gerade jetzt?

Sie sind rundum glücklich und zufrieden und freuen sich auf Pfingsten. Denn dann geht es wieder an den Chiemsee.

Gespräch geführt im Mai 2021

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