Manja & Marcus Freihstühler

Manja & Marcus Freihstühler

Die Gewürzmühle von Manja und Marcus Freistühler (www.gewuerzmuehle-engels.de) ist ein kleines, in der vierten Generation geführtes, Familienunternehmen in Neuss. Im Sommer 1991 eröffneten Manja und Marcus ihre eigene Filiale in einem unter Denkmalschutz stehenden Haus aus dem Jahre 1847, das sie mit viel Liebe restaurierten. Ihre persönliche Leidenschaft gehört den Gewürzen und die bringen sie interessierten Kunden durch Gewürzseminare, Verkostungen, Ausstellungen und in ihrem Ladengeschäft auf einzigartige Weise näher. Wie sie es schaffen, ihrem Leben als Unternehmerpaar geschäftlich und privat die richtige Würze zu geben und wie es ihnen gelang, auch die fünfte Generation für die Gewürzmühle zu begeistern, verraten Manja und Marcus hier. 

Wie hat alles angefangen?
Seit fast 100 Jahren gehören Gewürze zum Leben der Familie und sind bis heute die Leidenschaft von Manja und Marcus, denn sie mahlen, mischen und verpacken ihre Gewürze noch selbst. Vom Urgroßvater Johannes Engels, der aus einer niederrheinischen Bäckerfamilie stammte, 1919 gegründet, in den 50er Jahren an Marcus Freistühlers Großeltern Maria (geborene Engels) und Wilhelm vererbt, übernahmen dann Marcus‘ Eltern Irmhild und Ernst den Betrieb und erweiterten das Produktangebot um viele damals noch exotische Gewürze und Gewürzmischungen. In der 4. Generation führen Manja und Marcus nun das Geschäft mit vielen hundert Naturgewürzen, Gewürzmischungen und Salzen aus aller Welt und sogar einer traditionellen „Neusser Gewürzmischung“. Kennengelernt haben sich die beiden bei einem Griechenlandurlaub 1988 und dann ging alles ziemlich schnell. Manja, die damals im Frankfurter Raum in der Textilbranche tätig war, verlegte ihren Lebensmittelpunkt nach Neuss. Einige Jahre zuvor hatte sie einen lukrativen Job in dieser Stadt noch abgelehnt, weil sie Neuss auf den ersten Blick gar nicht schön fand. Die Liebe lässt einen eben manches mit anderen Augen sehen.

Was waren oder sind Eure größten Herausforderungen?
In erster Linie ging es immer darum, dem Unternehmen nicht zu viel Raum zu geben. Nicht bei allen Mahlzeiten und auch noch auf der Couch über das Geschäft zu sprechen. Manja: „Das fällt allerdings sehr schwer, weil Wohnung und Geschäft ja nur eine Treppe auseinanderliegen und weil wir sowieso mit unserer 6-Tage-Woche, den Messen und Ausstellungen, den Weihnachtsmärkten und dem starken Geschäft rund um die Feiertage gedanklich immer im Dienst sind.“ Geschäft und Wohnung in einem Haus zu haben, hat auch Vorteile, denn man kann mal schnell zwischendurch etwas erledigen. „Nur übertreiben sollte man das nicht“, meint Marcus, „früher war ich schon mal bis in die Nacht im Geschäft, heute sitzt Manja oft abends lange am PC, zwar in der Wohnung, aber immer mit geschäftlichen Themen.“ Dazu kommt, dass die Beiden völlig unterschiedliche Charaktere sind: Manja, mit viel Temperament ausgestattet, hat ständig neue Ideen, die sie auch umsetzen will. Marcus, eher der ruhigere Vertreter, achtet auf Rentabilität und Tradition. Das passt dann manchmal nicht so richtig und kann eine Herausforderung sein.

Wie habt Ihr diese Herausforderungen bewältigt?
Die Trennung von Privatleben und Geschäft bleibt weiter ein Thema. „Solange wir zu Hause sind, können wir nicht wirklich abschalten“, sagt Manja, „Urlaub haben wir nur, wenn wir weg sind.“ Mit den Jahren haben sie festgestellt, wie gut es tut, sich immer wieder mal Kurzurlaube zu genehmigen. Mehr auf die Gesundheit zu achten, haben sie auch gelernt. „Man wird eben älter und der Körper sagt einem dann, wann es genug ist“, meint Marcus. Privat haben sie viele gemeinsame Interessen, zum Beispiel samstags zusammen auf den Markt gehen, gutes Essen zu Hause oder in tollen Restaurants und natürlich das Neusser Schützenfest, das größte seiner Art in Deutschland. Außerdem lassen sie sich gegenseitig den Raum, mal etwas allein zu machen, mit ‚den Mädels‘ oder ‚den Jungs‘.

Im Betrieb haben sie verschiedenen Verantwortungsbereiche. So kümmert sich Marcus beispielsweise um den Großhandel und Manja um das Ladengeschäft. Man stimmt sich zu wichtigen Fragen natürlich ab. Ihre Unterschiedlichkeit führte dabei immer wieder zu hitzigen Diskussionen. Manja fühlte sich schon mal ausgebremst, umgekehrt glaubte Marcus sich bedrängt. Heute haben sie mehr Verständnis für die gegenseitigen Standpunkte. Manja konnte vieles erfolgreich umsetzen, Marcus sorgte auf seine Art für die wirtschaftliche Seite und für Behutsamkeit im Umgang mit der Marke ‚Gewürzmühle Engels‘. Manja: „Es war ein längerer Lernprozess und mit dem Alter wird man ruhiger.“

Was waren Eure größten Erfolge?
Spektakuläre Erfolge sehen die beiden nicht. „Aber viele kleine, auf die wir stolz sind. Zum Beispiel hat unsere Gewürzmischung ‚Mediterrane Tomate‘ 2014 die Auszeichnung „Produkt des Jahres“ von den Corpus Culinario Feinkosthändlern bekommen. Ein Erfolg ist sicher auch, dass unser Familienunternehmen trotz Internet erfolgreich weiterbesteht“, meint Marcus. Die Kundenzahl ist kontinuierlich gestiegen, das Geschäft mit Gewürzen und Gewürzmischungen ist ebenso im Aufwind wie das mit ausgesuchten Feinkostartikeln. „Wir freuen uns auch, wenn wir immer wieder von unseren Kunden hören, wie schön unsere Gewürzmühle ist“, erzählt Manja, „aber unser größter Erfolg ist, dass die 5. Generation sich für das Geschäft entschieden hat, und unser Sohn schon während seines dualen Studiums hier im Betrieb arbeitet.“ Natürlich haben die Kinder gesehen, wieviel Raum die Firma beansprucht, aber Manja und Marcus haben ihnen auch immer die Vorteile der Selbstständigkeit aufgezeigt, zum Beispiel, dass man sich etwas leisten kann und dass es schön ist, wenn die Familie so eng zusammenlebt. „Es kann nicht alles falsch gewesen sein, was wir den Kindern vorgelebt haben“, meint Marcus, „Geschäft und Familie, ständig und immer, das funktioniert eben und hat mehr Vorteile als Nachteile.“

Was ist aus Eurer Sicht ausschlaggebend für ein glückliches & erfolgreiches Leben als Unternehmer-Paar?
Als erstes nennen sie den gegenseitigen Austausch, um bei strittigen Punkten zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. „Da muss man schon mal nachgeben, auch wenn es schwerfällt und Kompromisse schließen.  Einer möchte ‚schneller und weiter‘, der andere ‚langsam und vorsichtig‘, aber letztendlich macht es der Mix“, ist die Erfahrung von Manja. „Viele unserer Freunde können sich das gar nicht vorstellen, mit dem Partner zusammenzuleben und zusammenzuarbeiten“, weiß Marcus, „aber für uns überwiegen eindeutig die Vorteile.“  Die sehen die beiden vor allem darin, dass man sich mit der Zeit sehr gut kennt, man sich in vielen Punkten ergänzt, einander vorbehaltlos vertrauen und sich auf einander verlassen kann. Für selbstverständlich halten sie es, die gleichen Werte zu teilen. „Mit ein bisschen Humor kommt man auch in schwierigen Phasen klar“, findet Manja, „ich halte es da wie meine Mutter. Die sagte immer: An Scheidung habe ich nie gedacht, höchstens an Mord ;-)“

Wie geht es Euch gerade jetzt?
Letzte Woche hätten sie noch gesagt: ‚Einfach nur gut!‘ Dann hatte Marcus einen Arbeitsunfall. Seine linke Hand musste operiert werden und er ist dementsprechend für sechs Wochen eingeschränkt. „Das ist zwar sehr unangenehm“, findet Marcus, „und ich weiß auch nicht, ob alles wieder so wird wie vorher, aber es gibt Schlimmeres.“ Ansonsten sind alle gesund und der Betrieb läuft. „Wir sind glücklich“, sagt Manja, „und streiten trotzdem ab und zu, natürlich nicht über die Kinder oder den nächsten Urlaub, nur über den Betrieb, aber das kennen wir ja.“

Gewürzmühle Engels
Hymgasse 21 und Büchel 8
41460 Neuss
Telefon: 02131-275622
Fax: 02131-21411
gewuerzmuehle1919@t-online.de
www.gewuerzmuehle-engels.de

Gespräch geführt im Juni 2017

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