Unsere Nachfolger: Elisabeth & Leonhard

Unsere Nachfolger: Elisabeth & Leonhard

Elisabeth und Leonhard Zintl sind ein ganz besonderes Unternehmerpaar. Beide haben bereits als Kinder das „Unternehmer sein“ in ihren Familien kennen gelernt. So stammt Elisabeth aus einer Gastwirtsfamilie, deren Tradition bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Leonhards Familie hat sich in Themenreuth der Landwirtschaft verschrieben und ist seit vier Generationen – genau wie Leonhard heute selbst– als Genossenschaftsvorstand aktiv. Was die beiden außerdem verbindet, ist die tiefe Liebe zueinander, zu ihrer Familie mit drei Kindern, die Heimatverbundenheit und ihr Engagement für Waldeck, den Geburtsort von Elisabeth. Und natürlich die Hollerhöfe. Hier stellen Sie dieses einzigartige Gastronomiekonzept im Film vor: Video Elisabeth und Leonhard Zintl . Elisabeth führt das Tagesgeschäfts im Hotel, sie bezeichnet sich selbst als „Innenminister“ in dem Sinne, dass sie ständig vor Ort ist, im Betrieb und bei den Kindern. Leonhard ist viel unterwegs und bezeichnet sich augenzwinkernd als mitarbeitenden Ehemann. Weil Heimat für Elisabeth und Leonhard nicht nur ein Geschenk, sondern auch Verpflichtung ist, entwickeln sie Ideen, um dieses wunderschöne Stückchen Erde noch schöner und attraktiver zu machen. So führt Elisabeth hier im ersten essbaren Wildpflanzenpark Deutschlands Veranstaltungen und Führungen durch und Leonhard engagiert sich tatkräftig im Heimat- und Kulturverein Waldeck, wo er schon viel bewegt hat. Hauptberuflich ist er zudem angestellter Unternehmer als Vorstandsvorsitzender der Volksbank Mittweida in Sachsen.

Wie die beiden das alles unter einen Hut bringen, wie sie die Erfahrungen aus ihrem Unternehmerleben für das Konzept „Ich & Du und die Firma“ einsetzen wollen und wie sie ihr unterschiedliches Know-how dabei nutzen möchten, haben wir sie gefragt. Lest hier die Vorstellung unserer Nachfolger, an die wir dieses Jahr den Staffelstab übergeben.

Wie hat alles angefangen?

Als die beiden sich eines Tages im Jahr 1997 zufällig beim Einkaufen in Weiden begegneten, waren sie Ende zwanzig und kannten sich flüchtig. Sie kamen ja aus dem gleichen Landkreis, waren beide im Bankensektor tätig und politisch in der Jungen Union aktiv.  Und weil es ein schöner Tag war, beschlossen sie, zusammen einen Kaffee zu trinken. Sie sahen sich dann öfter und zum Schluss regelmäßig. Elisabeth war zu diesem Zeitpunkt Filialleiterin einer örtlichen Sparkasse, während Leonhard schon seit 1991 im sächsischen Mittweida bei der Volksbank tätig war. Die beiden heirateten schließlich 2001 und 2002 kam Lukas zur Welt, das erste von drei Kindern. Nun stellte sich definitiv die Frage, wo der zukünftige Lebensmittelpunkt sein sollte. Und weil Elisabeth die seit vielen Generationen bestehende gastronomische Tradition ihrer Familie in Waldeck nicht beenden wollte, entschloss sich die junge Familie für diesen Standort. Die Liebe zur Heimat und zur Natur war für beide ausschlaggebend, und für Elisabeth außerdem die Freude an der Arbeit mit Gästen. So sattelte sie von der Bankerin zur Gastronomin um, absolvierte eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und zur Küchenmeisterin und schloss gleich noch eine Weiterbildung zur Diätköchin an. Gemeinsam starteten die beiden das Projekt ‚Hollerhöfe‘. Sie übernahmen leerstehende Gebäude im Dorf, die sie liebevoll sanierten und für Gäste modernisierten. 2004 und 2006 wurden die Kinder Anna-Lena und Benedikt geboren. Heute betreibt die Familie neben den neu aufgebauten Hollerhöfen zusätzlich das unterdessen von Elisabeths Eltern übernommene Landgasthaus ‚Zum Hirschen‘ in Waldeck.

Was waren oder sind Eure größten Herausforderungen?                               

Die erste Herausforderung bestand von Anfang an darin, dass Leonhard neben seinem Engagement in den heimischen Hollerhöfen seinen Hauptberuf in der Volksbank Mittweida ausübt und deswegen unter der Woche dort seinen vielfältigen Aufgaben nachgeht. Aber es war eine gemeinsame Entscheidung, diesen Weg zu gehen und die beiden kommen gut damit zurecht. „Solange zwei Erwachsene das rational betrachten und mit Disziplin durchziehen, geht das sehr gut. Emotional schwierig war es schon mal, als die Kinder klein waren und unter der Woche fragten, wann ich heimkommen würde“, berichtet Leonhard.

Eine weitere Herausforderung bestand darin, einerseits ein Unternehmen aufzubauen, andererseits aber zu vermeiden, dass die Lebensplanung der Kinder dadurch beeinflusst wird. Zumindest sollte bei der nächsten Generation nicht das Gefühl einer Verpflichtung zur Nachfolge entstehen. Aus eigener Erfahrung wissen Elisabeth und Leonhard, dass es solche Erwartungen gibt. Leonhard erinnert sich: „Bei uns war in der elterlichen Landwirtschaft schnell klar, dass mein Bruder besser für die Nachfolge geeignet war als ich. So musste ich mich mit dem Thema nicht ernsthaft auseinandersetzen. Aber ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich in dem landwirtschaftlichen Betrieb meiner Eltern die Liebe zur Natur in mir entdeckt habe.“ Für Elisabeth war es so, dass die Fortsetzung der Familientradition von ihr abhing, weil ihr Bruder sich bereits anders entschieden hatte. Sie hat diese Situation aber nicht als Druck empfunden, weil sie wusste, wieviel Spaß und Freude sie an der Arbeit mit Gästen hat. Und so entschied sie sich mit Überzeugung für die Nachfolge.

Die dritte und aktuelle Herausforderung teilt die Familie mit der ganzen Hotellerie und Gastronomie. Es ist die Corona-Pandemie und das dadurch bedingte faktische Berufsverbot. Die Maßnahmen sind sicher zeitlich begrenzt, aber die fehlende Perspektive auf eine Normalisierung erschwert die Zukunftsplanung.

Wie habt Ihr diese Herausforderungen bewältigt?

Die verschiedenen Lebensbereiche in der Balance zu halten, das Leben so anzunehmen wie es ist, die Vielfalt zu beherrschen und Resilienz zu fördern und auszubauen, das ist das Rezept der Zintls. Geholfen hat ihnen ihre Prägung als Unternehmerkinder und das Wissen um die Bedeutung einer gemeinsamen Vision und Strategie. Die überprüfen sie jährlich aufs Neue und führen seit gut zehn Jahren regelmäßig eine Jahresplanung durch. Elisabeth: „Dann hat man eine gemeinsame Richtung, jeder teilt die Ziele des anderen, und man lebt nicht nebeneinander her.“ Das ist für die beiden besonders wichtig, weil Leonhard viel unterwegs ist und dann besteht oft die Gefahr, dass die Beziehung und die Familie zu kurz kommen. Leonhard: „Es war aber nicht so, dass Elisabeth quasi als alleinerziehende Mutter von drei Kindern einen neuen Betrieb gründet hätte. Wir haben das Konzept für die Hollerhöfe gemeinsam entwickelt, die Häuser gemeinsam ausgewählt, den Umbau geplant und modernisiert. Zusätzlich haben wir dadurch gegengesteuert, dass wir am Anfang konsequent die Gastronomie und das Hotel am Wochenende geschlossen haben. So konnten wir diese Zeit für uns als Familie und als Paar nutzen.“ Ihr Zusammenleben und Zusammenarbeiten werden von einem zentralen Gedanken getragen. „Die Grundidee ist, gemeinsam zu wachsen. Jeder in seinem Bereich und wir gemeinsam als Paar. Und das kriegen wir gut hin. Man könnte sagen, das sind ja zwei unterschiedliche Leben, aber das hätte man ja auch, wenn man in der eigenen mittelständischen Firma in zwei verschiedenen Bereichen arbeitet. Ich habe das Gefühl, dass die klar definierten Verantwortlichkeiten unsere Beziehung frisch halten. Man verlebt die gemeinsame Zeit einfach bewusster“, beschreibt Elisabeth die Situation.

Was nun die zweite Herausforderung anbelangt, steckt im Konzept der Hollerhöfe auch ein familiäres Zukunftskonzept. Das Motto lautet: Alles kann, nichts muss! Leonhard: „Natürlich freuen wir uns, wenn eins unserer Kinder die gastronomische Tradition hier vor Ort fortsetzt. Wenn es soweit ist, werden die Kinder die Freiheit haben, sich zu entscheiden. Zurzeit besteht Interesse und alle sind mit Begeisterung dabei. Jeder bringt sich ein und ihre Kreativität gibt uns wertvolle Impulse. Ich glaube, die Kinder sehen die Firma als Lernfeld für das Leben.“

Für Corona, die dritte Herausforderung, gibt es kein Patentrezept, aber die Hoffnung, dass es im zweiten Halbjahr wieder besser läuft.

Was waren Eure größten Erfolge?

Die Familie und die Kinder nennen beide als erstes. Die lieben ihre Heimat und die Natur genau wie ihre Eltern und tragen das Leben der Unternehmerfamilie neugierig und hilfsbereit mit. Als zweites folgen gleich die Hollerhöfe. Die entstanden, weil Elisabeth und Leonhard nicht zusehen wollten wie durch die Abwanderung junger Leute aus der ländlichen Region immer mehr Häuser im Dorf leer standen. Vier davon kauften die Zintls nach und nach auf, sanierten sie liebevoll und gestalteten daraus ihr einzigartiges Gastronomiekonzept. „Da braucht es schon eine klare Vision, um so etwas anzupacken. Freunde von uns konnten sich überhaupt nicht vorstellen, was man aus solchen Häusern machen kann, so schlecht war der Zustand. Aber wir haben gleich das Ergebnis vor Augen gehabt“, erzählt Elisabeth.

Sie wertet auch die Übernahme des elterlichen Landgasthofes „Zum Hirschen“ als Erfolg. „Da herrscht wieder Einigkeit, wenn es auch nicht einfach war“, erzählt sie.  Beide sind froh über die Wahl des Lebensmittelpunktes in Waldeck. Sie lieben die Ursprünglichkeit, die Natur, den achtsamen Umgang mit den Ressourcen. Für Leonhard zählen neben seinen beruflichen Erfolgen alle seine Aktivitäten, bei denen er versucht, Menschen zu begeistern und Themen in Schwung zu halten. Er engagiert sich in der Mittelstandsunion, in der Kirchenverwaltung und vor allem im Heimat- und Kulturverein. Besonders gefreut hat ihn der gelungene Wiederaufbau der Aegidiuskapelle auf dem Burgberg durch den Verein und die in Waldeck vor Ort gegossene neue Glocke, die nun wieder erklingt. Gegossen wurde die Glocke von Mönchen aus Maria Laach, gestiftet hat sie die Familie Zintl.

Warum habt Ihr Euch entschlossen, das Projekt „Ich & Du und die Firma“ weiterzuführen?

Mit Menschen zu arbeiten ist für beide eine Freude. Und Erfahrungen weiterzugeben und anderen Unternehmerpaaren Impulse zu geben entspricht ihrer Natur. Leonhard verbreitetet schon heute in Vorträgen und Seminaren seine Mission „Zukunft-Einfach-Machen“.

Sie kannten „Ich & Du und die Firma“ schon, weil sie vor ein paar Jahren auf die Bücher gestoßen sind und seitdem auch den Newsletter von www.powerpaare.net beziehen. Elisabeth: „Damit konnten wir uns gut identifizieren, denn wir sind genau in dieser Rolle und haben das alles selbst erlebt.“ Das Thema Mittelstand und Unternehmerpaare liegt ihnen am Herzen. Dort sind sie gut vernetzt und wollen ihre Netzwerke auch anderen zugänglich machen. Ein Beispiel ist ihr Engagement für die HeimatUnternehmen in Bayern. „Wir haben uns gut überlegt, ob wir die Nachfolge bei „Ich & Du und die Firma“ antreten wollen und uns für die Entscheidung auch Zeit genommen. Um ganz sicher zu sein, haben wir die Idee mit verschiedenen kleinen Gruppen von Freunden und anderen Unternehmerpaaren diskutiert. Die haben uns alle zugeraten und deswegen haben wir uns so entschieden.“, berichtet Leonhard.

Was sind Eure Kernkompetenzen?

Elisabeth ist ein wahres Multitalent, sie hat verschiedene Berufe erlernt und ausgeübt. (siehe Kasten). Fundierte Branchenkenntnisse hat sie in der Gastronomie und Hotellerie. Ihre gemeinsamen Erfahrungen beim Aufbau der Hollerhöfe betrachtet sie als eine gute Grundlage für ihre Arbeit im Konzept „Ich & Du und die Firma“. Sie kennt die Daueraufgabe, die Balance zwischen Firma, Familie, Paarbeziehung und persönlichen Bedürfnissen immer wieder herzustellen und beherrscht die Rolle der Unternehmerfrau als Mutter mit allen Facetten.

Gemeinsam haben die beiden ihre Lebenserfahrung im Managen von verschiedensten Aufgaben und die eingeübte Fähigkeit zu strategischem Denken. Leonhard kennt aus seiner Berufstätigkeit viele Branchen, Betriebe und Geschäftsmodelle, auch diese indirekten Erfahrungen sollen anderen Unternehmerpaaren zugutekommen. „Da kann ich authentisch über Dinge sprechen, die ich aus eigener Anschauung kenne.“ Als ausgebildeter Systemischer Coach ist er darüber hinaus vertraut mit Techniken und Methoden, anderen ein Stück weiterzuhelfen. Außerdem kennen beide die Aufgaben in der Veranstaltungsorganisation aus dem Hotel und von Leonhards eigenen Seminaren und Vorträgen.

Welche Impulse können Unternehmerpaare von Euch erwarten?

Im Konzept „Ich & Du und die Firma“ ist viel Gutes vorhanden, was erhalten bleiben soll. Und dann wollen sie das Konzept mit ihren Erfahrungen und Kenntnissen weiterentwickeln. „Ich & Du und die Firma“ soll eine Kraftquelle für Unternehmerpaare sein, daran wollen sie arbeiten. „Wir können Sparringspartner und Mutmacher sein, einfach aus unserer Erfahrung heraus und unserer positiven Lebenseinstellung“, glaubt Elisabeth. Ein besonderes Thema für neue Impulse ist aus der Sicht von Leonhard die Unternehmenskultur. Da ist er Gründer der Initiative ‚Wertvolle Unternehmenskulturen in Deutschland‘. Transformation und Digitalisierung im Mittelstand liegen ihm außerdem am Herzen. Und das Thema ‚Führung‘. Er ist Initiator des Kongresses ‚Führen mit christlichen Werten‘. Man darf von Elisabeth und Leonhard jedenfalls Anstöße erwarten, mit denen Unternehmerpaare eine Menge erreichen können. „Leute zusammenbringen und vernetzen, den Erfahrungsaustausch fördern, die Workshops weiterführen und neue Formate entwickeln, das sind unsere Pläne“, erläutert Leonhard.

Was ist aus Eurer Sicht ausschlaggebend für ein glückliches & erfolgreiches Leben als Unternehmer-Paar?

Für beide sind gemeinsame Werte das Fundament für die Beziehung. Da nennen sie als erstes gegenseitiges Vertrauen, Wertschätzung, Offenheit und Gleichberechtigung. Diese Basis gibt ihnen Energie. Dem Partner seine Entwicklung gönnen und sie fördern, ist ihnen ebenfalls wichtig. Leonhard: „Jeder soll frei sein, neue Themen anzugehen und daran zu wachsen.“ Diese selbstbestimmte Freiheit bedeutet ihnen viel. Dass man etwas gestalten darf, darin liegt der Kern des Unternehmertums. Sie wissen wie wichtig es ist, die Balance zu halten zwischen Firma, Familie und Paarbeziehung. Und auch die persönlichen Bedürfnisse dürfen nicht zu kurz kommen. Da nennt Elisabeth ihre Pferde und das Reiten. Leonhard joggt zum Ausgleich und zieht viel persönliche Zufriedenheit aus dem Umgang mit Menschen. „Das war für mich schon immer eine Passion. Mit 18 Jahren war ich Kreisvorsitzender der Landjugend. Da habe ich gelernt, Leute zu begeistern.“ Und diese Begeisterung wollen die beiden auch in der Nachfolge bei „Ich & Du und Firma“ erzeugen.

Wie geht es Euch gerade jetzt?

Es geht ihnen gut. „Heute ist ein wunderbarer Wintertag. Es ist knackig kalt, die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Was will man mehr“, freut sich Leonhard. Sie stehen mitten im Leben, sind neugierig und voller Energie. Sie wollen noch einmal etwas Neues anfangen. Wie es das Buch von Leonhard fordert: Zukunft–Einfach-Machen!

Hollerhöfe
Elisabeth und Leonhard Zintl
Unterer Markt 35a
95478 Waldeck bei Kemnath

Telefon: +49 9642 70 43 10
Telefax: +49 9642 70 43 11

E-Mail:
info@hollerhoefe.de
www.hollerhoefe.de

Gespräch geführt im Februar 2021

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